Pandemiebegleitung

Im Januar 2020 telefonierte ich während eines Spaziergangs mit Kai Kupferschmidt, um mit ihm über einen Interviewtermin für die Elementarfragen zu sprechen. Unsere gemeinsame Freundin und Kollegin Laura Salm-Reifferscheidt hatte mir Kai als Gast für meinen Podcast empfohlen und ich war sofort sehr interessiert. Kai arbeitet als Wissenschaftsjournalist, studierte Molekulare Biomedizin und spätestens seit dem gerade vergangenen Jahr ist klar, dass seine Arbeit für Science, seine Recherchen, Einordnungen und die unermüdliche, kommunikative Aufklärungsarbeit zum Wertvollsten zählt, was wir in der Pandemie haben.

Zum Zeitpunkt unseres Telefonats war SARS-CoV-2 für mich eine ebenso weit entfernte wie skurrile Vorstellung, deren Bedrohungspotenzial ungefähr so abstrakt erschien, wie ihr sperriger Name. Mein Interesse an Kai entstand aus der Besonderheit seiner persönlichen Geschichte: Ein leidenschaftlicher „Viren-Spezialist“, der die Geschichte seiner HIV-Infektion in berührender Weise öffentlich aufgearbeitet hatte. Am Telefon erklärte ich ihm kurz meine Ideen für unser Interview und als wir auf den Zeitpunkt eines Treffens zu sprechen kamen, sagte er etwas, das mir bis heute als mein persönlicher Beginn der Wahrnehmung einer neuen Realität in Erinnerung geblieben ist.

„Ja klar, lass uns das bald machen. Ich bin jetzt nochmal zwei Wochen in Brasilien. Wenn ich wieder nach Berlin komme, bleibe ich auch erstmal. Dann ist die Welt ja höchstwahrscheinlich ohnehin eine völlig andere…“

Meinem irritierten Nachfragen begegnete Kai mit einer ziemlich genauen Vermutung dessen, was uns in den folgenden Wochen schließlich in Form unseres sehr veränderten Lebens begegnete.

Unser Interview verschob sich dann noch bis in den Sommer, aber kurz nach unserem Telefonat sprach mich wiederum Laura auf eine Idee an, die sie gerne gemeinsam mit Kai umsetzen wollte. Laura selbst arbeitet ebenfalls als Journalistin, auch und insbesondere im Global-Health-Bereich mit dem Fokus auf gesellschaftliche Auswirkungen medizinischer Themen. Ich kenne sie schon viele Jahre und für Viertausendhertz hat sie auch schon einige aufwändige Podcastreportagen aus Indien und Kolumbien realisiert. Auch ihre Arbeit mit Carl Gierstorfer an seinem Film über einen großen Ebola-Ausbruch in Liberia haben wir bereits in den Elementarfragen behandelt.
Laura erzählte mir also von ihrer Idee eines Podcasts, in dem sie mit Kai über die Entwicklung der Corona-Pandemie in der Welt sprechen wollte. Ich war ziemlich schnell überzeugt und nach Kais Rückkehr trafen wir uns zu dritt, sprachen über die Idee und schnell entstand das Konzept von Pandemia: ein Podcast über Infektionskrankheiten und deren Auswirkungen in unterschiedlichen Ländern und Gesellschaften; im Idealfall immer mit lehrreichen Rückbezügen für unsere aktuelle Situation.

Unsere ersten Gehversuche waren sicher stolpernd und ich muss zugeben, dass ich zu Beginn nicht unbedingt überzeugt davon war, dass sich viele HörerInnen in Zeiten einer beängstigenden und belastenden Pandemie zusätzlich mit weiteren „Krankheitsgeschichten“ konfrontieren wollten. Im Zuge der Arbeit mit Laura und Kai habe ich aber gelernt, wie grundsätzlich optimistisch, konstruktiv und empathisch man sich diesen Themen nähern kann. Ich war immer wieder erstaunt mit welch guter Laune ich aus den Treffen und Aufnahmen mit den beiden kam. Die Mischung aus Positivität, Leidenschaft, konzentrierter Ernsthaftigkeit und warmer Arbeitsatmosphäre gab mir das sinnstiftende Gefühl an etwas von aktueller Bedeutung mitzuarbeiten. Das ist bis heute so und hat mir die bisherige Zeit in der Pandemie sehr erleichtert. Ich habe sehr viel lernen können, von beeindruckenden WissenschaftlerInnen und ihrer Arbeit erfahren, konnte mir zum Teil wirklich unglaubliche Geschichten anhören und viele dumme Fragen stellen. Und beileibe nicht zuletzt: Das unerwartet umfangreiche Feedback aus der Hörerschaft war natürlich ebenfalls wahnsinnig motivierend.

Wenn man mich heute fragt, was die positiven Seiten des vergangenen Jahres waren, erwähne ich Pandemia immer als eines der ersten Dinge. Vor allem aber war es die dauerhafte Gesellschaft von Laura und Kai. Der besten Begleitung, die ich mir für diese schwierige Zeit hätte wünschen können.